Stift Rein bei Graz – Bericht einer Führung im ältesten Zisterzienserkloster der Welt

Manchmal befinden sich die großen Juwele ja auch gleich in der Nähe – und da sich zur Weihnachtszeit 2014 im Stift Rein eine Krippenausstellung befand, machen wir uns also auf zu diesem Zisterzienserkloster. Ganz ehrlich, wirklich viel hatte ich davon noch nicht gehört. Erzählt jemand von einem Besuch eines Stifts, so ist da meist von Stift Admont oder auch Stift Seckau die Rede. Nur wenig weit von Gratkorn entfernt liegt also nun das Stift Rein. Wo wir schon einmal da sind wollen wir auch gleich eine Führung machen – in einem so alten Kloster wird es ja sicherlich einiges interessantes zu erfahren geben.

Und so kam es auch. Pater August Janisch führte unsere kleine Gruppe (ca. 8 Leute) durch das Stift. Seit 1129 existiert es also nun also schon und ist somit das älteste Zisterzienserkloster der Welt, dass auch tatsächlich noch als Stift aktiv ist. Ruinenstätte die älter sind gibt es aber, erzählt Pater Janisch. Er führte uns begeistert durch sein Stift, nicht nur interessant sondern auch mit großer persönlicher Begeisterung. Allen Grund hat er ja, denn was die Mönche in der Vergangenheit geleistet haben, welche kulturellen Schätze sich im Stift Rein befinden und auch welche Bedeutung das Stiftsgymnasium für die Region hat – das ist schon aller Ehren wert!

Erst vor wenigen Jahren renoviert erfreut das Auge des Besuchers sich vor allem der kräftigen Farben. Diese wurden aber nicht nachgemalt sondern einfach nur gesäubert. Das zeigt das Handwerk der Mönche von damals. Pater August erzählt auch gerne über die Renovierung und auch wie diese vonstatten ging. Sehr interessant – auch für Leute wie mich, die nicht unbedingt fürs Handwerk geboren wurden.😉 Ein Highlight ist auf alle Fälle die Bibliothek. So bekommt man bei der Führung auch ein Buch aus dem 15. Jhdt. zu halten. Dass Bücher noch heute so gut instand sind – sehr  bemerkenswert. Für Bücher, die aber restauriert werden müssen hat sich Pater August auch was ausgedacht – eine Buchpatenschaft kann für ein Buch übernommen werden. So wird mit dem Geld (ein paar hundert bis tausend Euro) ein Buch erneuert. Dem restaurierten Buch wird ein Beiblatt beigefügt, das den Namen der Buchpatin oder des Buchpaten nennt und auch den dafür eingesetzten Beitrag. Details dazu hier.

Ein weiterer Höhepunkt der Führung ist der Kalendertisch von Johannes Kepler, der den gregorianischen und julianischen Kalender zeigt (Vom Jahr 1600 bis 1800, also schon 200 Jahre im Voraus!). In konzentrischen Kreisen wurden die Jahre in Kalkstein geätzt!Keplers Kalendertisch (Quelle: http://archivmedes.blogspot.co.at)

Überhaupt war es Pater Janisch ein Anliegen, die Besucher zum Nachdenken zu bewegen, welche Arbeitsleistung damals vollbracht wurde. Beispiel: Was damals alles nötig war um ein Buch zu schreiben und wie lange das gedauert hat, das war definitiv eine große Anstrengung. Und welche Bedeutung die Klöster damals für die Entwicklung der Menschen und des Landes hatten – daran denkt heutzutage so gut wie keiner mehr.

Auch die Gebeine von Marktgraf Leopold I. sind im Stift Rein anzufinden. Er gilt ja nicht nur als der Stifter von Stift Rein, sondern auch als erster Landesherr der Steiermark. Jede Menge Geschichte also im Stift Rein, ich kann einen Besuch nur empfehlen! Infos dazu auf der Website unter http://www.stift-rein.at/.

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